Alpen-Marathon extrem: 6 Pässe, 2 Länder und über 600 Kilometer an einem Tag!
Was für ein Tag! Wenn das Wetter derart sensationell mitspielt und die Berge rufen, gibt es für mich nur eine einzige richtige Entscheidung:
Helm auf, Motor an und raus auf die Strasse. Willkommen zurück auf TomOnTour.ch!
Heute nehme ich euch mit auf eine Tour, die mir wirklich alles abverlangt – und mir gleichzeitig das dickste Grinsen unter den Helm gezaubert hat.
Die Mission des Tages klang auf dem Papier schon ambitioniert, aber in der Realität war es ein wahres Fest für die Sinne: Von meiner Homebase in Luzern aus standen unglaubliche sechs Bergpässe in zwei verschiedenen Ländern auf dem Programm.
Am Ende des Tages sollten über 600 Kilometer auf dem Tacho meiner BMW R 1300 GS Adventure stehen. Das Ganze an einem einzigen Tag! Ein perfekter Härtetest für Mensch und Maschine und das ideale Training für die grossen Abenteuer, die im August am Nordkap auf mich warten.

Das Warm-up: Über den Wolfgang ins Hochgebirge
Der Startschuss fiel früh in Luzern. Die Luft war noch frisch, die Strassen herrlich leer, und das Wetter zeigte sich von seiner absoluten Schokoladenseite – strahlend blauer Himmel und perfekte Sicht.
Das erste Etappenziel: Der Wolfgang-Pass (1'631 m). Zugegeben, im Vergleich zu dem, was noch kommen sollte, ist der Wolfgang eher ein gemütliches "Hallo-Wach"-Erlebnis, aber er ist die perfekte Verbindung hinein in die spektakuläre Bergwelt Graubündens.
Gleich danach ging es ans Eingemachte. Der Flüelapass (2'383 m) empfing mich mit seinen langgezogenen, flüssigen Kurven und einer kargen, fast schon mondartigen Landschaft.


Ein echtes fahrerisches Highlight, bevor ich das Motorrad direkt weiter über den majestätischen Julierpass (2.284 m) zirkelte.

Fun Fact: Der Julierpass war schon zur Römerzeit einer der wichtigsten Alpenübergänge – heute ist er zum Glück durchgehend asphaltiert und ein absoluter Traum für uns Biker.
Bella Italia und das Kehren-Monster
Nach dem Julier tauchte ich ab ins mediterrane Klima. Ein kurzer Grenzübertritt, und zack: Italien! In Chiavenna gab es kurz Zeit zum Durchatmen, bevor das absolute Herzstück und die grösste Herausforderung der heutigen Tour vor mir aufragte.

Der Splügenpass (2'115 m) stand mal wieder auf dem Programm. Aber dieses Mal habe ich mir die absolute Königsetappe gegönnt: den Aufstieg von der italienischen Seite. Wer diese Strecke kennt, weiss, wovon ich spreche.
Es ist eine extrem anspruchsvolle, enge und steile Route. Unglaubliche 56 Spitzkehren schrauben sich fast senkrecht die Bergflanke hinauf. Einige Kehren in den engen Galerien sind so schmal und dunkel, dass man sie im ersten Gang regelrecht ausbalancieren muss. Es war harte Arbeit am Lenker, aber die GS Adventure hat sich mit einer Leichtigkeit durch dieses Nadelöhr geschlängelt, dass es eine reine Freude war.

Oben angekommen, spürt man das Adrenalin noch minutenlang in den Adern pumpen. Was für ein Ritt!
Der lange Weg nach Hause
Der Tag neigte sich langsam, aber die Tour war noch lange nicht vorbei. Zurück in der Schweiz wartete der San-Bernardino-Pass (2'066 m). Mit seiner weiten, rauen Landschaft und den perfekt geschwungenen Kurven war er genau das Richtige, um nach dem harten Splügen-Workout wieder in einen fliessenden Rhythmus zu kommen.


Das grosse Finale? Natürlich der legendäre Gotthardpass (2'106 m). Wenn man am späten Nachmittag in der goldenen Stunde über das Granitmassiv des Gotthards fährt, spürt man einfach die ganze Wucht der Alpen. Es ist der krönende Abschluss einer perfekten Runde.


Fazit nach 12.5 Stunden im Sattel
Als ich nach exakt 12,5 Stunden Reisezeit wieder in Luzern auf den Hof rollte, war ich ehrlicherweise ziemlich erledigt – aber unglaublich glücklich. Über 600 Kilometer, sechs Pässe, zwei Länder und Kurven in einer vierstelligen Anzahl.
Diese Tour war Motorradfahren in seiner reinsten Form. Ein Tag, der einem wieder einmal zeigt, warum wir dieses Hobby so lieben. Die Vorbereitung für den grossen Norwegen-Trip im Sommer läuft also nach Plan – die Kondition stimmt!
Habt ihr den Splügenpass von der Südseite auch schon mal bezwungen? Schreibt es mir in die Kommentare!
Bis zur nächsten Kurve
Euer Tom