🇨🇭Das Vier-Pässe-Karussell: Serpentinenrausch zwischen Geschichte und Wolkenfront

🇨🇭Das Vier-Pässe-Karussell: Serpentinenrausch zwischen Geschichte und Wolkenfront

Manchmal gibt es diese Tage, da spĂĽrt man schon beim ersten Starten des Motors, dass es ein epischer Ritt wird. Der Blick aus dem Fenster am Morgen in Luzern: Blauer Himmel, die Bergspitzen klar gezeichnet. Die Reifen haben Grip, der Tank ist voll, die Abenteuerlust riesig.

Das Ziel fĂĽr heute?

Keine geringere als die legendäre Vier-Pässe-Runde über den Gotthard, den Nufenen, den Grimsel und zurück über den Brünig. Ein wilder Tanz durch die Schweizer Alpengeschichte auf zwei Rädern!

Weggis

1. Der Mythos erwacht: Die Tremola am Gotthard (2'106 m)

Von Luzern aus ging es zügig Richtung Süden. Wenn man sich dem Gotthard nähert, spürt man förmlich das historische Gewicht dieses Massivs. Seit dem 13. Jahrhundert gilt der Gotthard als die wichtigste Nord-Süd-Achse der Alpen – hart umkämpft, Schauplatz von Kriegen und der Grundstein für den Aufstieg der alten Eidgenossenschaft.

Für mich gab es heute natürlich nur eine Option: die legendäre Tremola. Wer diese historische, kopfsteingepflasterte Passstrasse auf der Südseite einmal gefahren ist, weiss, was Motorradfahren bedeutet. Das ständige, rhythmische Klackern der Reifen auf dem Pflaster, Kehre um Kehre, die sich wie eine Schlange die Felswand hinaufzieht. Oben angekommen bläst der Wind kalt, aber der Ausblick belohnt jeden einzelnen Meter.

2. Das Dach der Tour: Der Nufenenpass (2'478 m)

Vom Gotthard ging es hinunter ins Bedrettotal und direkt hinein in den nächsten Gang: den Nufenenpass. Er verbindet das Tessin mit dem Wallis und ist eine echte Naturgewalt.

Spannender Fakt am Rande: Im Gegensatz zum uralten Gotthard ist der Nufenen ein "Neuling" unter den Alpenpässen. Die asphaltierte Strasse wurde erst 1969 eröffnet, was ihn zum höchsten, rein inneren Schweizer Alpenpass macht.

Die Kehren hier sind weitgezogen, der Asphalt fantastisch und die Kulisse wird mit jedem Höhenmeter rauer. Oben angekommen, steht man fast auf Augenhöhe mit den vergletscherten Riesen der Berner Alpen. Der Kontrast zwischen dem warmen Tessiner Fahrtwind im Tal und der hochalpinen Kälte auf knapp 2'500 Metern ist einfach atemberaubend.

3. Wo Granit auf Staumauern trifft: Der Grimselpass (2'164 m)

Nach dem Sturzflug hinunter nach Ulrichen im Wallis wartete direkt die nächste Herausforderung: der Grimselpass. Historisch gesehen war die Grimsel schon im Mittelalter ein wichtiger Handelsweg für den Saumverkehr – hier wurde Schweizer Käse gegen piemontesischen Wein und Salz getauscht.

Heute fasziniert mich die Grimsel vor allem durch ihre raue, fast unwirkliche Mondlandschaft aus nacktem Granitfels und den gigantischen Staumauern der Wasserkraftwerke. Die Strasse schlängelt sich perfekt ausgebaut an den tiefblauen Stauseen vorbei nach oben. Das Wetter hielt bis hierhin eisern durch, und die Kurvenkombinationen rund um den Totensee auf der Passhöhe waren Fahrspass pur.

4. Das Finale gegen die Wolken: Der BrĂĽnigpass (1'008 m)

Vom Grimsel-Hochplateau ging es durch das Haslital hinab in Richtung Meiringen. Und hier merkte ich bereits: Das Wetter schlägt um. Der Himmel, der mich den ganzen Tag treu begleitet hatte, verdunkelte sich rasant. Schwere, tief hängende Wolken schoben sich über die Gipfel.

Die letzte Etappe fĂĽhrte mich ĂĽber den BrĂĽnigpass.

Geschichtlich gesehen ist er das Bindeglied zwischen dem Berner Oberland und der Innerschweiz und wurde bereits im 14. Jahrhundert während der Burgdorfer Kriege strategisch genutzt.

Obwohl er mit knapp 1'000 Metern der niedrigste Pass des Tages war, hatte es das Finale in sich. Während sich der Himmel dramatisch zuzog und die ersten Regentropfen die Visierkarte anspielten, schlängelte ich mich durch die dichten Wälder des Brünigs wieder zurück in Richtung Heimat.


Fazit eines perfekten Motorradtages

Zuhause in Luzern angekommen, den Motor abgestellt und den Helm abgenommen. Die Knie sind ein bisschen weich, das Grinsen im Gesicht dafür umso breiter. Vier völlig unterschiedliche Pässe, hunderte Kehren, geschichtsträchtige Strassen und ein Wetter-Thriller zum Schluss. Genau für diese Tage leben wir auf zwei Rädern!

Bis zum nächsten Tour-Bericht

Euer Tom